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Über 1000 Jahre lang residierten hier Chinas Könige – entsprechend üppig das kulturelle Erbe Xi’ans, angeführt von den lebensgroßen Kriegern der 6000-köpfigen Terrakotta-Armee.

 

Die Spuren der Jahrtausende

Angesichts der 6000 tönernen Krieger und Pferde von Xi’an geraten selbst Kulturmuffel ins Schwärmen. Doch die ehemalige Hauptstadt hat noch viele andere Geschichten zu erzählen.

Die einen schlürfen Reissuppe auf wackeligen Holzschemeln oder halten ein Pläuschen bei leckeren Fettgebäckstangen von den Garküchen. Die anderen schieben bedächtig ihre Arme und Beine durch die Luft und stählen ihre Körper beim Thai Chi. Frühmorgens ist es am schönsten auf der Stadtmauer von Xi’an. Die Touristenströme treffen erst später ein.

Die alte Stadtmauer

Die alte Stadtmauer

Denn jeder Besucher will mindestens einmal rauf auf die zwölf Meter hohe und genau 11,9 Kilometer lange Stadtmauer, schließlich ist in China keine so gut erhalten wie diese. Und der Blick von hier oben über die schmalen Gassen der über 2000 Jahre alten Altstadt beschert den Besuchern ein betörendes Spiel aus Licht und Schatten.

Xi'an war mehr als 1100 Jahre lang Hauptstadt Chinas, 13 Dynastien haben hier residiert und Prächtiges hinterlassen. Die Hauptattraktion, die Terrakotta-Armee, zählt zu den spektakulärsten archäologischen Funden des 20. Jahrhunderts. Erst 1974 fanden chinesische Bauern beim Bau eines Brunnens den ersten tönernen Kopf. Inzwischen wurden 6000 der Krieger ausgegraben, die über 2000 Jahre lang das Grab des ersten Kaisers von China, Qinshi Huangdi (259-210 v. Chr.), bewachten. Die Ausgrabung ist ein Mammutprojekt: Lediglich ein Viertel der gesamten Grabfläche, die die Archäologen auf wahnwitzige 225 qkm schätzen, wurden bisher freigelegt. Zu besichtigen sind die Funde im Museum der Terrakotta-Armee, 40 km östlich von Xi’an.

Weit zurück in die Vergangenheit weisen auch die anderen Attraktionen von Xi’an. Weit über 1000 Jahre alt sind etwa die Kleine und die Große Wildganspagode, die als Meisterwerke buddhistischer Architektur gelten. Bis zu 2000 Jahre alt sind die mehr als 1000 Inschriftentafeln des so genannten Stelenwaldes, einer wahren Schatzkammer chinesischer Kalligraphie und Kunst im Shaanxi Provinz Museum. Und wer noch weiter zurück schauen möchte, besucht die Ruinen des 6000 Jahre alten Banpo-Dorfes am Gelben Fluss. Dort in Chinas erstem Museums zur menschlichen Frühgeschichte lässt sich die Vergangenheit sogar im Selbstversuch erleben: Verkleidete Schauspieler führen Banpo-Alltag vor, machen Musik, veranstalten Opferzeremonien und Feiern, und die Zuschauer dürfen mitmachen.